Er ist der Star von La Réunion. Von allen touristischen Sehenswürdigkeiten der Insel ist der Piton de la Fournaise die meistbesuchteste. Seit August 2014 enthüllt das Vulkanmuseum Cité du Volcan in der Hochebene La Plaine des Cafres die Geheimnisse dieses riesigen Massivs mit seinen 2 631 Metern Höhe, dessen Silhouette überall präsent ist, selbst wenn  Wolken seinen Gipfel verhüllen. Er brodelt unverwandt, und im Schnitt kommt es alle neun Monate zu einem Ausbruch, was ihn zu einem der aktivsten Vulkane der Welt macht, der dennoch vollkommen ungefährlich ist und für die Besucher eine regelrechte Attraktion darstellt. Der etwa 500 000 Jahre alte Riese gehört seit 2010 auch zum UNESCO Weltnaturerbe. Er teilt sich diese Ehre mit einem anderen Vulkan auf La Réunion, dem Piton des Neiges, und mit einigen Talbecken und natürlichen Schutzwällen der Insel, die alle dem Nationalpark Parc National de La Réunion angehören. Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet, dessen fantastische Artenvielfalt und -reichtum ein immenses Studien- und Forschungsobjekt darstellen.
Die Flanken des Piton de la Fournaise, dessen Massiv etwa ein Drittel der Inselfläche einnimmt, sind keine unfruchtbaren Lavafelder!  Im Gegenteil: die Vegetation erwacht nach Erkaltung der geschmolzenen Lava schnell wieder zum Leben. Weißliche Flechten setzen sich fest und geben den Abhängen stellenweise eine helle Schattierung, wie an den  Grandes Pentes. Andere Pflanzenarten wachsen in den Spalten des fruchtbaren Bodens wie Farn und Sträucher. Um dieses faszinierende Phänomen zu verstehen, kann man dem  Naturlehrpfad im Enclos Fouqué folgen, dem Gebiet, das den 1791 entstandenen Krater Dolomieu umgibt. Dieser ist der größte Krater des Vulkans; sein Aussehen verändert sich mit jedem Ausbruch. Die Ausbrüche Ende des Jahres 2006 haben ihn fast ganz zugeschüttet. Der Ausbruch im April 2007 ließ ihn wieder einstürzen; er hat sich in einen mehr als 300 Meter tiefen, instabilen Schlund verwandelt. Man kann ihn wegen der zahlreichen Erdspalten nicht mehr vollständig umgehen, aber ein markierter Pfad führt zum Beobachtungspunkt am Gipfel an der Nordseite: einfach umwerfend!

Atemberaubend ist auch die Mondlandschaft La Plaine des Sables, die einer Sandwüste ähnelt und die man durchqueren muß, um zum Gipfel des Piton de la Fournaise zu gelangen. Alle diese Landschaften, die man für die eines anderen Planeten halten könnte, sind unbesiedelt: hier innerhalb des Enclos und an den unberührten Hängen der Südostflanke ereignen sich die Ausbrüche und fließen die Lavaströme. Es besteht keine unmittelbare Gefahr für die Bewohner der Insel, auch wenn es zu Ausnahmen kommen kann, bei denen die Häuser und selbst ganze Dörfer evakuiert werden müssen (Le Tremblet, Bois-Blanc).  Im Jahr 1977 verschlang ein Lavastrom mehrere Gebäude der Gemeinde Sainte-Rose und kam an der Schwelle der Kirche Notre Dame des Laves zum Stillstand: ein Wunder! In Folge dieses Ereignisses wurde das vulkanologische Observatorium gegründet, um die Aktivität des Vulkans zu beobachten und die Ausbrüche vorhersehen zu können.

Die Ausbrüche haben nicht nur Einfluss auf die Morphologie des Vulkans, sondern darüberhinaus auch auf die der Insel. Die Lavaströme, die bis zum Ozean fließen, können die Fläche La Réunions bei ihrem Erstarren vergrößern. Durch den Ausbruch im April 2007 wurden bei Le Tremblet  45 Hektar "Neuland" gewonnen. Wiederum zerstört wurde die Landstraße etnlang der Küste, die die glühende Masse auf dem Weg ins Meer passierte. Die Straße wurde einige Monate später wieder instand gesetzt - und vor Saint-Philippe wurden neue, bis dahin unbekannte Tierarten entdeckt. Ein weiterer Beweis für den außerordentlichen natürlichen Reichtum von La Réunion!