Nachkommen von weißen Siedlern, von afrikanischen und madagassischen Sklaven, indischen Arbeitern, Chinesen und indischen Moslems: die Insel ist ein Land der Immigration mit einer multi-ethnischen und multikulturellen Gesellschaft, der das Wagnis, Religionen und Gemeinschaften der verschiedensten Herkunft auf einem sehr beschränkten Territorium friedlich und harmonisch miteinander leben zu lassen, gelungen ist. La Réunion trägt ihren Namen mit Recht!
 

Obwohl sie arabischen (sie nannten sie Dina Morghabine), portugiesischen, holländischen und englischen Seefahrern, die sie anliefen, um Trinkwasser und Vorräte aufzunehmen, sehr bekannt war, war die Insel bis zur ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts unbewohnt und zusammen mit Mauritius und Rodriguez nur eine der Inseln der Maskarenen, die nach dem portugiesischen Seefahrer Pedro de Mascarenhas benannt worden waren.

Im Jahr 1642 nahmen die Franzosen die Insel im Namen des Königs in Besitz; sie wurde daraufhin zu Ehren der in Frankreich regierenden Dynastie auf den Namen "Ile de Bourbon" getauft. Ihre ersten Einwohner waren Weiße aus Madagaskar, die von ihrer Dienerschaft begleitet wurden. Darunter befanden sich zahlreiche madagassische Frauen. 1665 kamen die ersten offiziellen Besiedler der Ile de Bourbon vom französischen Festland an. Ab 1715 organisierte die Ostindische Kompanie, die bis 1767 offiziell als Verwalterin der Insel agierte, den Anbau von Kaffee, der eine große Anzahl an Arbeitskräften forderte. Damit entwickelte sich eine Sklavenhaltergesellschaft; zu der Bevölkerung europäischer und madagassischer Abstammung kamen nun schwarze Afrikaner, die ihrem Heimatland entrissen worden waren, hinzu. Einigen darunter, "Marrons" genannt, gelang es, zu entfliehen und in den höher gelegenen, wilden Gebieten der Insel Zuflucht zu suchen, um sich der Dominanz ihrer Herren zu entziehen.
Der Intendant Pierre Poivre spielte eine wichtige Rolle bei der Diversifizierung der landwirtschaftlichen Ressourcen, indem er neue Arten wie Gewürznelken und Muskatnuss einführte, die zum Reichtum der Kolonie beitrugen: die Inseln des Indischen Ozeans, darunter die Nachbarinsel "Ile de France" (das heutige Mauritius) hatten einen wichtigen Anteil an der Macht und dem Reichtum des französischen Königreichs.

La Réunion nahm ihren gegenwärtigen Namen im Jahr 1973 an, in Bezugnahme auf die Vereinigung der Generalstände der Konföderierten aus Marseille mit der Pariser Nationalgarde beim Marsch auf das Palais des Tuileries, die im Vorjahr stattgefunden hatte; damit löschten die Revolutionäre die Erinnerung an die Monarchie. Im Jahr 1806 zu Zeiten des Empire, wurde die Insel nochmals umbenannt in "Bonaparte"; 1810 geriet sie unter britische Vorherrschaft und wurde schließlich nach dem Vertrag von Paris (1814) Frankreich rückübereignet, wobei der Name erneut in "Ile Bourbon" wechselte. 1848 wurde sie wieder zur "Ile de La Réunion".

Die Sklaverei, vom Nationalen Konvent 1794 abgeschafft, wurde auf der Insel bis zum 20. Dezember 1848 - der seitdem zum gesetzlichen Feiertag ernannt wurde (Fet' Caf') - aufrechterhalten. Nun landeten neue Helfer für die Zuckerrohrernte auf der Insel: Pflichtarbeiter aus Südindien. Im 19. Jahrhundert ließen sich Immigranten aus Gudjrat (muslimische Inder) und aus China auf La Réunion nieder. Die Insel wurde 1946 zum französischen Département erklärt und modernisierte sich nach und nach; ab 1960 siedelten sich immer mehr Franzosen vom Festland an. In den siebziger Jahren zog das französische Département im Indischen Ozean auch Komoren, darunter viele Mahoresen, an.
 

Die Bevölkerung ist bunt gemischt: La Réunion bietet heute nicht eines, sondern tausend multi-ethnische Gesichter, die eine große Diversität reflektieren; dennoch fühlen sich alle als "cafre" - (Abkömmlinge von schwarzen oder madagassischen Sklaven); "zarabe" (von muslimischen indischen Immigranten abstammend); "malbar" (Nachfahren von verpflichteten indischen Arbeitern), Kreole oder Chinese. Ein "yab" oder ein " 'ti Blanc des Hauts", ist ein Abkomme der bescheidensten unter den Siedlern, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Höhenzügen der Insel niedergelassen haben. Touristen dagegen werden unweigerlich mit dem Namen "zorey" bezeichnet, denn man muss die Ohren spitzen, um die kreolische Sprache zu verstehen! Aber - egal ob man mit der Familie, mit Freunden oder zu zweit reist, man verlässt La Réunion mit der beruhigenden Sicherheit, dass auf einem kleinen Fleckchen Erde von nur 2512 Quadratkilometern eine Million Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion, Vergangenheit und grundverschiedenen Erinnerungen das Kunststück vollbracht haben, eine tolerante Gesellschaft zu erschaffen - eine wahre Lektion für den Rest der Welt!