Liebe, die Probleme des täglichen Lebens, die "la di la fè" (Klatschgeschichten), die Schönheit der Insel ... zu diesen Themen bereichern die Maloya- und Sega-Künstler seit Jahrzehnten ein sich stetig weiterentwickelndes Erbgut. Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein war die Maloya verboten, da sie als Träger für Identitätsansprüche galt, und musste sich verstecken. 2009 wurde die Maloya von der UNESCO ins immaterielle Kulturerbe der Menschheit aufgenommen.

Die Maloya

Man braucht nur die ersten Takte der Maloya bei einer Kabar - einem Volksfest- oder bei einem Musikfestival zu hören, um die Tiefe, die Dunkelheit der Vergangenheit und das Wiederaufleben der kreolischen Seele zu erfassen. Die Mayola kam zugleich mit den aus Afrika entführten Sklaven, die zur Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern gezwungen wurden, auf die Insel; sie trägt seine afrikanischen Wurzeln in sich und wird auf Instrumenten gespielt, die sich kaum von den ursprünglichen unterscheiden: roulèr (eine große Trommel, auf der der Trommler selbst sitzt), bobre (ein Bogeninstrument), kayamb (ein Schlaginstrument aus Holz und mit Körnern gefüllten Zuckerrohren) und pikèr (ein Bambusrohr, das mit zwei Schlagstöcken gespielt wird).

Der Takt ist kurz und skandiert, die Körper der Tänzer folgen dem Rhythmus und die Texte tragen die Geschichte der Insel in sich: von Sklaven erfunden, um ihre Ahnen zu ehren und ihren schmerzvollen Alltag zu besingen - diese Tradition führt die Maloya bis in die heutige Zeit weiter. Sie erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens oder von Liebe, von der herzzerbrechenden Schönheit der Insel, von Bitterkeit und Ungerechtigkeit… Die Kolonialverwaltung und später die Regierung haben die Mayola deshalb bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein verboten, weil sie fürchteten, dass sie den Willen zur Unabhängigkeit vom französischen Mutterland erwecken könnte.

Daher wurde die Maloya nur im Geheimen gespielt und getanzt… bis zur Herausgabe der ersten Vinyl-Schallplatte der Gruppe Firmin Viry im Jahr 1976. Wenn das Fest zur Abschaffung der Sklaverei (auf La Réunion am 20. Dezember) gefeiert wird, wird Mayola natürlich ausgiebig gespielt und getanzt!  

Danyel Waro wurde zum Symbol der radikalen Maloya, während der 2005 verstorbene Granmoun Lélé der Verfechter der traditionellen "maloya kabaré" war. Maloya hat sich mit anderen Einflüssen vermischt, etwa mit Jazz bei der Band Sabouk, mit elektronischer Musik bei Ti Fock oder Leila Negrau, aber auch mit Reggae bei Thierry Gauliris und der Gruppe Baster - deren Lied ("Mi conné in ti mamzel/Mi aime a elle") zur lokalen Hymne an die Liebe wurde! Maloya wird weit über die Ufer der Insel hinaus gehört und hat sich seinen Adelstitel neben anderen Strömungen der Weltmusik verdient. Am 1. Oktober 2009 wurde er von der UNESCO ins  immaterielle Weltkulturerbe der Menschheit aufgenommen.

Der Sega

Der Sega ist der andere große Musikstil der Insel: Musik zum Feiern, für Feste, Sinnlichkeit und Verführung. So wie bei dem Musikstil der Westindischen Inseln sind im Zuge der aufeinanderfolgenden Wellen von Einwanderern in den althergebrachten Rhythmen Afrikas andere, neue eingeflossen: Quadrille, Walzer, Polka… Der Sega, ein beliebter folklorischer Musikstil, ist ohne jeden Zweifel die Musik für Feste. Zu ihren Helden gehören der - wie Granmoun Lélé im Jahr 2005 verstorbene - Maxime Laope oder der Akkordeonspieler René Lacaille.

Maloya und Sega sind nicht starr und unveränderlich; beide inspirieren immer neue Gruppen, die sie mit elektronischen Akzenten bereichern: die Webseite runmusik ist eine unersetzliche Quelle für jeden, der sich über die lokale Musikszene auf dem laufenden halten will. Es gibt auf La Réunion 25 Konzertsäle, 7 Café-Concerts, wichtige Musikfestivals wie das Leu Tempofestival in Saint-Leu, die Electropicales in Saint-Denis, die Tanzfestivals Danse Péi in Saint-Paul oder das Sakifo in Saint-Pierre. Auf diesen Bühnen werden von französischen, internationalen und lokalen Künstlern unvergessliche Darbietungen geboten.