Die ersten Bewohner waren französische Siedler, die von ihren madagassischen Bediensteten begleitet wurden. Die ersten Kinder, die auf La Réunion geboren wurden, waren daher Mischlinge, deren Mütter Madagassinnen waren.
 

Danach wurde die Insel von einer Sklavenhaltergesellschaft beherrscht, deren Arbeitskräfte aus Madagaskar oder Afrika eingeschleppt wurden. Als die Sklaverei im Jahr 1848 abgeschafft wurde, suchte die Kolonie neue Arbeitskräfte in Indien. Diese Arbeiter, die als "verpflichtet" bezeichnet wurden, kamen hauptsächlich aus dem Süden Indiens, aus Tamil Nadu.


Im Lauf des 19. Jahrhunderts ließen sich Einwanderer aus China und aus muslimischen Teilen Indiens (Goujrat) auf der Insel nieder; zahlreiche ihrer Landsleute folgten ihnen im Lauf des 20. Jahrhunderts nach.

Seit 1960 etablieren immer mehr "Festlandfranzosen" ihren Wohnsitz auf der Insel. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts zog La Réunion auch zahlreiche Komoren an.

Die Gesichter der Reunionesen von heute zeugen zum größten Teil von dieser Mischlingsherkunft und ihrer bunten Geschichte. Sie werden sehr familiär mit den folgenden Namen  bezeichnet:

- Cafres: Nachkommen von Sklaven oder "verpflichteten" Arbeitern aus Afrika und Madagaskar;
- Zarabs: muslimische Inder, die ihre Religion mit den Arabern teilen;
- Malbars: Abkömmlinge der aus Südindien verpflichteten Arbeiter;
- Zoreys: Franzosen vom Festland (die Franzosen sind schwerhörig, sobald man sie mit einer anderen Sprache als der ihren anredet);
- Chinois: Reunionesen chinesischer Herkunft, die sich kaum mit anderen Völkern vermischt haben.
- Yab, oder « petit Blanc des Hauts »: Nachfahren der bescheideneren Siedler, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die höher gelegenen Gebiete der Insel abgedrängt wurden.
 
Dennoch formt keine dieser Kategorien eine geschlossene  Gesellschaft; täglich werden Hochzeiten gefeiert, die sie wieder ein wenig enger miteinander verbinden. La Réunion nimmt die Welt von morgen vorweg, eine Gemeinschaft, die über alle Herkünfte hinweg vom "miteinander leben" geprägt ist.

Welch besseres Heilmittel gegen Rassismus und allgemein verbreitete Vorurteile könnte es geben als eine Reise nach La Réunion?