Die Geschichte der Vanille von der Île de La Réunion

Die Vanille der Ile de La Réunion ist eine Vorreiterin und ihre Geschichte geht weit zurück … Die Vanille wurde am Anfang des 16. Jahrhunderts von den spanischen Eroberern in Südamerikaentdeckt. Die Azteken fügten die Vanille vor allem ihren Kakaogetränken bei. Im 17. Jahrhundert war der Import der Vanilleschoten nach Europa ein großer Erfolg: in Frankreich wurden sie verwendet, um Schokolade, Bonbons und sogar Tabak zu aromatisieren.

Im 18. Jahrhundert versuchen zahlreiche Wissenschaftler, die Orchideenart in warmen Gewächshäusern zu züchten, um sie zu studieren. Die Vanillezüchtung bleibt jedoch ein Rätsel: Pflanzen, die Schoten hervorbringen, sind höchst selten. Um die Fruchtbildung zu fördern, haben einige Botaniker die Idee, die Pflanze in tropenähnlichem Klima zu züchten. Auf diese Weise werden am Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Vanillepflanzen auf die Ile Bourbon - wie La Réunion damals hieß - gebracht. Und das ist der Grund, warum die Vanille der Insel La Réunion noch heute den Namen "Vanille Bourbon" trägt.

1841: ein junger Sklave schreibt die Geburtsurkunde der Vanille aus La Réunion…

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts entdecken die Forscher, daß die Vanillepflanze einen außenstehenden "Agenten" braucht, der sie bestäubt - Orchideenbienen oder stachellose Melipona. Zur gleichen Zeit züchtet Ferreol Beaumont Bellier aus Interesse an der Pflanzenkunde auf seinem Gut Sainte-Suzanne auf der Ile Bourbon Vanillesträucher. Ein junger Sklave mit Namen Edmond Albius, ein Waisenjunge, den Beaumont Bellier wie seinen eigenen Sohn aufgenommen und in die Geheimnisse der Botanik eingeweiht hatte, macht im Jahr 1841 die Entdeckung, die den Anbau der Vanille revolutionieren wird.

Man braucht die Blüte nur leicht zu drücken, während man gleichzeitig die feine Haut, die die Staubgefäße von den Stempeln trennt, beiseiteschiebt oder anhebt.
Diese Entdeckung bildet den Grundstein zum Aufschwung des Vanilleanbaus auf der Ile de La Réunion, die eine Zeitlang wichtigster Vanilleexporteur der Welt war. Der fachgerechte Anbau von Vanille, die künstliche Bestäubung der Vanilleblüten, wie sie auf La Réunion entdeckt wurde, die Trocken- und Gärungstechniken der Vanilleschote, wie sie von den Azteken gehandhabt wurden - alle diese Methoden werden von der Ile  Bourbon ausgehend auf die anderen Inseln des Indischen  Ozeans übertragen - zuerst auf die Seychellen, danach auch Madagaskar und die Komoren.

Die dreißiger Jahre: das goldene Zeitalter der Vanille von der Île de La Réunion

Mit 1 200 Tonnen Ertrag, mehr als 3/4 der Produktion weltweit, sind die dreißiger Jahre die glorreiche Zeit der Vanille von der Insel La Réunion und er anderen Inseln des Indischen Ozeans. Bis heute trät sie den Namen "Vanille Bourbon" zur Ehre und Erinnerung an ihre Herkunft.
Davon zeugt auch das Wappen der Insel, das vom Schatzmeister Emile Merwart (ehemaliger Gouverneur und begeisterter Kenner der Heraldik) für die Kolonialausstellung in Petite-Ile im Jahr 1925 in Auftrag gegeben wurde. Es zeigt eine Vanilleranke, die sich um die Devise der ehemaligen Indischen Kompanie, "Florebo quocumque ferar" schlingt ("Ich blühe, wohin auch immer ich getragen werde").

Die Vanille aus La Réunion heute: Know-How und Tradition


Bis in unsere Zeit hat sich die Gewinnung der Vanille von La Réunion seit den Tagen der Experimente und der Optimierung Prozesses durch die Reunionesen Ernest Loupy und David de Floris kaum verändert.

Sie besteht aus mehreren wichtigen Etappen::
  • Abtöten durch Abbrühen,
  • Gärung. Sie beginnt während der Dampfbehandlung und gibt der Vanilleschote ihre braune Farbe,
  • Trocknen. Täglich in der Sonne während der ersten zwei oder drei Wochen, dann im Schatten auf Horden, was die Gärung stoppt,
  • Die Vanilleschoten werden nun in Bündeln von gleicher Länge zusammengebunden und zwei bis drei Monate lang in luftdichten Behältern aufbewahrt. Diese Etappe bringt die starke Konzentrierung des Aromas hervor.