Die kreolische Sprache

Eine bunte Mischung ...

Als Erbgut der französischen Siedler, die im 17. Jahrhundert auf die Insel kamen und dessen die Sklaven sich im folgenden Jahrhundert bemächtigten, ist Kreolisch die Sprache, derer sich alle Reunionesen ohne Unterschied der Herkunft oder der Gesellschaftsschicht bedienen. Obwohl sie - ebenso wie die Maloya - von der die Assimilierung der Bevölkerungen aus Übersee anstrebenden Republik bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts verboten war, nur selten als Schriftsprache genutzt und erst vor Kurzem kodifiziert wurde, hat die kreolische Sprache im Jahr 2000 den Status einer Regionalsprache erlangt und wird in den Schulen gelehrt.

"Le zorey"

Es gibt eine Bezeichnung, die einem Besucher, der nach La Réunion reist, nicht entgehen kann, selbst wenn er französisch spricht: für die Inseleinwohner ist er (oder sie) ein(e) "zorey" ("zoreille" ausgesprochen).  Nicht einmal ein Autor von Reiseberichten vergisst, dies zu erwähnen! Von allen  Etymologien, die versuchen, die Herkunft des Wortes zu erklären, ist dies die häufigste: der Zorey, also der Tourist bzw. nicht Einheimische, muss die Ohren aufsperren, um die kreolische Sprache zu verstehen …

Es ist wahr, dass diese Sprache - die häufig Worte aus dem klassischen Französisch entlehnt (zum Beispiel "causer" für "parler), in der die Bindungen und das Geschlecht der Hauptworte oft reiner Fantasie entspringen ("mon caz", das Haus, obwohl das Wort "case" eigentlich weiblich ist und es also "ma caz" heißen müsste), in der grammatische Regeln stark vereinfacht werden ("mi di a ou", wörtlich "moi dis à toi" : für "ich sage dir") - den Besucher verwirren kann. Aber die Freundlichkeit der Reunionesen, die gern über ihre Insel sprechen, und ein klein wenig Bemühung von Seiten der Auswärtigen schafft das Problem schnell aus der Welt und bringt einen dazu, den singenden Tonfall des Kreolischen anzunehmen.

Man muss zurückgehen bis ins 17. Jahrhundert und zur Ankunft auf der - bis dahin unbewohnten - Insel der ersten Siedler, die von ihrer Dienerschaft, unter der sich oft madagassische Frauen befanden, begleitet wurden, oder bis zum Anfang der Sklaverei im 18. Jahrhundert und dem Aufschwung des Zuckerrohranbaus, um den Ursprung des Kreolischen zu verstehen, das eine gemeinsame Sprache zunächst für Herren und ihre Sklaven aus afrikanischen Ländern und später, nach der Abschaffung der Sklaverei, mit  Arbeitern aus Indien ermöglichte.
 

Ein regionales Erbgut


Im modernen Zeitalter bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war es verboten, kreolisch zu sprechen, sowohl in den Schulen als auch in den öffentlichen Verwaltungen oder im Radio: die Regierung in der fernen Hauptstadt wollte ihren Bürgern aus Übersee eine Integration auferlegen, die einer erzwungenen Assimilierung stark ähnelt. Aber privat wurde weiterhin kreolisch gesprochen und blieb so, vor allem in den bescheideneren Gesellschaftsschichten, sehr lebendig. Nach den Zahlen des statistischen Amts INSEE aus dem Jahr 2010 benutzen 38% der Reunionesen je nach Umständen und Gesprächspartner französisch, die Amtssprache, oder kreolisch, während 91% der Bewohner das Kreolische beherrschen und 53% ausschließlich kreolisch sprechen.

Im Jahr 2000 wurde kreolisch als Regionalsprache anerkannt, in gleichem Maß wie bretonisch und korsisch, und wird seitdem in der Schule gelehrt. Das ging nicht ohne Schwierigkeiten… Die vorwiegend gesprochenen Sprache kannte keine Rechtschreibung, und so gab es einige kontroverse Diskussionen, bevor man sich auf einen gemeinsamen Nenner und die Schreibweise einigte.

 

Die Sprache der Künstler


Als eine vorwiegend gesprochene Sprache hat das Kreolische sich unter den reunionesischen Künstlern durchgesetzt: von Danyel Waro angefangen bis zur den Musikern der Gruppe Lindigo singen alle Maloya-Sänger auf Kreolisch. Dichter und Schriftsteller schreiben dagegen meistens auf Französisch, wenn sie von den Landschaften der paradiesischen Insel inspiriert werden - der Grund ist leicht zu erraten. Die Werke von Jean Albany (1917-1984), Dichter und Autor von Miel vert (1963); Daniel Vaxelaire (Chasseur de Noirs, 1982; Le Roman vrai de Paul et Virginie, 2001), Axel Gauvin (Train fou, 2000) oder Jean-François Sam-Long, Gründer der Bewegung "Créolie" (L’Empreinte française, 2005), von Verlagen des französischen Festlands herausgegeben, tragen die kreolische Seele von La Réunion bis weit über die Insel hinaus.