Der Nationalpark von La Réunion

und seine Naturwunder

Der Nationalpark der Insel La Réunion erstreckt sich über 42% der Inselfläche

Dieses 2007 eingerichtete Schutzgebiet ist die Seele der reunionesischen Natur. Es beherbergt seltene Tier- und Pflanzenarten, eine bemerkenswerte biologische Artenvielfalt, deren Schutz von entscheidender Bedeutung ist. Deshalb gehört der Nationalpark seit 2010 zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Der Nationalpark von La Réunion ist der geografische Mittelpunkt der Insel und erstreckt sich auf einer Fläche von über 100 000 Hektar. Er ist auch das Herzstück der terrestrischen Naturschätze. Der 2007 gegründete Nationalpark ist dazu bestimmt, ein einmaliges Naturerbe zu schützen und aufzuwerten: ausgesprochen viele Tier-, Insekten- und Pflanzenarten leben ausschließlich in dieser Region, nirgendwo anders auf der Welt. Es wird darauf geachtet, empfindliche Gleichgewichte in großartigen Landschaften zu erhalten. 

Dank des Parks hat das Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt zugenommen, und zudem ist sie der Öffentlichkeit zugänglicher geworden. Wissenschaftler untersuchen die außergewöhnliche biologische Vielfalt, und die Teams vor Ort teilen ihre Leidenschaft mit den Besuchern, auch wenn bedrohte Arten schwer zu Gesicht zu bekommen sind. So zum Beispiel zwei große Seevögel: der Barausturmvogel (pétrel de Barau) und der Maskarensturmvogel (pétrel noir). Andere endemische Arten: der kleine Waldvogel Tuit-Tuit, eine vom Aussterben bedrohte Vogelart; der „oiseau lunettes vert“ bzw. „zoizo vert“; die Reunionweihe (papangue), der einzige Raubvogel der Insel; der aus der Familie der Ritterfalter stammende Papilio phorbanta und der Mauritius-Perlmuttfalter (salamide d’Augustine), die vom Aussterben bedroht sind; oder die grüne Eidechse der „Höhenlagen“ der Insel. 

Ein mannigfaltiger Lebensraum in einer üppigen Natur


Die Vegetation des Parks variiert je nach Höhenlage und Mikroklima: 850 einheimische Arten sind erfasst worden. Dies erscheint viel, in Anbetracht der über 2 000 Arten, die im Laufe der Geschichte La Réunions vom Menschen eingeführt wurden; es sind jedoch gar nicht so viele! Diese einzigartigen Pflanzen, Blumen und Bäume wachsen in Regen- oder Nebelwäldern, in Heidelandschaften, in Schluchten und auf besonderen Oberflächen, welche durch Vulkanausbrüche, Erosion und Lavaströme geformt wurden. Oder auch in spektakulären Absenkungen, die zur Entstehung der Talkessel Salazie, Mafate und Cilaos führten.

Diese drei faszinierenden Regionen und deren Schutzwälle sowie die beiden Vulkanmassive Piton de la Fournaise und Piton des Neiges gehören seit 2010 zu den Naturgütern, die aufgrund ihres außergewöhnlichen universellen Werts in das Weltnaturerbe der UNESCO aufgenommen wurden. Eine internationale Anerkennung für den Nationalpark von La Réunion, der ein vielseitiges Territorium enthüllt. Er beinhaltet ein besiedeltes Zentrum, denn zwei bewohnte Gebiete befinden sich im Inneren seiner Grenzen: die isolierten Dörfchen („îlets“) von Mafate und Salazes (Col du Taïbit im Talkessel Cilaos). Ihre Bewohner sind die einzigen dauerhaften Ortsansässigen im Herzen des Nationalparks: sie sind die Seele von La Réunion, das Fundament von kreolischer Identität und Kultur, geprägt von einer eigenständigen Lebensweise und einer engen Verbundenheit zur Erde. 

Im Herzen des Parks befindet sich auch ein Anbaugebiet, inmitten unberührter Natur. Es handelt sich um Viehzuchtgebiete (Piton de l’Eau), Nahrungsmittel- und Geranienanbaugebiete (Sans-Souci), angelegte Wälder und brachliegende Teefelder (Plaine-des-Palmistes). Denn diese landwirtschaftlichen Aktivitäten existierten bereits vor der Gründung des Parks, und seine Charta überwacht ihre ordnungsgemäße Integration in die sie umgebenden Naturlandschaften für ein harmonisches Zusammenleben des Menschen mit seiner Umgebung.