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© Serge GELABERT

Auf den Spuren der Gouverneure

 

 

In den Straßen von Saint-Denis ist die Geschichte von La Réunion allgegenwärtig.

Vom früheren Rathaus bis zum Park Jardin de l’Etat kennzeichnen die symbolträchtigen kreolischen Villen die Rue de Paris, die frühere Hauptstraße und Königsweg. Wir haben uns für einen Besuch zu Fuß in Begleitung eines Reiseleiters entschieden, um besser in die Insel La Réunion von früher einzutauchen. Eine Insel mit Dichtern und Künstlern, mit berühmten Namen und zeitlosen Bauwerken.

Wir treffen Roméo, der uns heute vor dem ehemaligen Rathaus empfängt, das unter Napoleon III. eingeweiht wurde, dessen Grundstein jedoch unter der Herrschaft von Louis-Philippe gelegt wurde. Nachdem wir uns einander vorgestellt haben, begibt sich unsere kleine Gruppe von Geschichtsfans in das wunderschöne Bauwerk. Hier verweist alles auf den Prunk früherer Zeiten: Parkett mit Intarsien, mit wunderschönen Rosetten verzierte Kassettendecken oder auch Vergoldungen im großen Salon… Roméo beginnt bei unserer ersten Besichtigung mit einem Paukenschlag!

La Villa Déramond

Quasi mit geschlossenen Augen führt uns Roméo durch die Rue de Paris, die er wie seine Westentasche kennt. Durch ihn wird jedes Haus und jeder Garten Gegenstand einer Anekdote, häufig überraschend, aber immer spannend. Eine blassgrüne Villa, die wir von der Straße aus sehen können, zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich: es ist die Villa Déramond, die den Großeltern von Léon Dierx und später denen von Raymond Barre gehörte. Das Haus mit seinem Garten mit drei Brunnen und seiner mit Pilastern und Säulen verzierten Fassade ist eines der schönsten Beispiele für die kreolische Architektur.

Nachdem alle herausgekommen sind, bleibt die Zeit stehen, als uns Roméo sichtlich bewegt einige Verse vom Dichterprinzen Léon Dierx zitiert:

„Là-bas, au flanc d’un mont couronné par la brume,

Entre deux noirs ravins roulant leurs frais échos,

Sous l’ondulation de l’air chaud qui s’allume

Monte un bois toujours vert de sombres filaos… „

(Dort, an den Hängen eines nebelverhangenen Bergs, zwischen zwei dunklen Schluchten mit dem Klang ihres kühlen Widerhalls, unter den Schwingungen der aufkommenden Hitze, erhebt sich ein immergrüner Wald mit dunklen Filaosbäumen…)

Die Besichtigung der Hauptader von Saint-Denis geht interessant weiter, „unsere eigenen Champs-Elysées“, wie Roméo amüsiert bemerkt, als er uns zu einer neuen Pause vor der Villa du Département einlädt. Dieses Bauwerk beeindruckt durch seinen Palmen- und Obstbaumgarten, und es wurde im Auftrag des ersten Bürgermeisters von Saint-Denis, Jean-Baptiste de Lestrac, erbaut.

Der Zauber des Ortes wird Sie – genau wie in Paris – schnell berühren. Auf unserer Tour kommen wir in milder Morgenluft an wunderschönen kreolischen Villen vorbei, und die Vergangenheit scheint immer näher zu rücken. Jetzt sind wir am Haus Nummer 114 angelangt und stehen dem imposanten Haus Maison Carrère mit seinen perfekten Zügen gegenüber. Unser Führer erzählt, dass dieses ehemalige Anwesen eines reichen Zuckerhändlers, Raphaël Carrère, heute die Büros des interkommunalen Fremdenverkehrsamt des Nordens beherbergt. Die Geschichte von La Réunion wird greifbar.

 

Nach ein paar Fotos und vielen Fragen über die Vergangenheit der früheren Bewohner macht unsere kleine Gruppe eine Pause. Dann geht es umso interessanter weiter: Wir bewundern den Baustil der Arthothèque, in der eine Sammlung von über 2.000 Werken und Schriftstücken über die zeitgenössische reunionesische Kunst zu finden ist. Es folgen das frühere Konsulat Großbritanniens und La Villa du Général, die man an ihrem traditionellen Schindeldach und ihren eleganten Lambrequin-Verzierungen erkennt. Hier befand sich der frühere Wohnsitz des Kommandanten der FASZOI (Französische Streitkräfte im südlichen Indischen Ozean).

 

Zwei Stunden sind vergangen, und der Rundgang neigt sich dem Ende entgegen. Wir befinden uns am Ende der Straße. Roméo beendet seine Führung emotional, aber nicht wehmütig. Wie er so schön sagt:

„Die Geschichte hört niemals auf…“

 

Warten Sie!

Es gibt noch viel zu entdecken